„Im Sommer kann die ganze Welt unseren Hyperloop-Prototypen in Aktion sehen. Hoffentlich ist er der schnellste.”

By 27 April, 2017Hyperloop, NACHRICHT
entrevista hyperloop

Juan Vicén Balaguer – Hyperloop UPV

In ISTOBAL kooperieren wir mit dem Projekt von Hyperloop UPV. Wir verfolgen ganz nah die Schritte des Studenten-Teams der Polytechnischen Universität von Valencia, die mit den besten Universitäten der Welt für die Schaffung des Zuges der Zukunft in Wettbewerb getreten ist. In diesem Interview teilt uns Juan Vicén Balaguer, Mitbegründer des Teams und Verantwortlicher für Kommunikation, eine wichtige Nachricht mit: Hyperloop UPV wurde ausgewählt, um sein Prototyp auf der von SpaceX organisierten Pod Competition II vorzustellen, die diesen Sommer in Kalifornien stattfinden wird.

Zuerst herzlichen Glückwunsch für die Auswahl und dafür, dass ihr weiter an diesem Wettbewerb teilnehmen könnt. Können wir diesen Sommer also euren Prototyp in Betrieb sehen?

Richtig, so ist es. Wenn SpaceX die Termine bestätigt und wir alle Sicherheitsproben bestehen, kann die gesamte Welt dann unseren Hyperloop-Prototypen in Kalifornien in Aktion sehen. Hoffentlich ist er der schnellste! Wir werden alles daran setzen, um es zu schaffen.

Wir haben gelesen, dass ihr euch für die nächste Phase mit einer anderen Universität zusammengetan habt.

Ja, wir haben entschieden mit der Universität von Purdue zusammen zu arbeiten. Die Leute dort sind seht gut vorbereitet und wir haben einen sehr guten Draht zu ihnen. Es ist eine der weltweit besten Universitäten in Sachen Luftfahrt und Raumfahrt. Wir glauben an dieses Bündnis, weil Kooperation ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung einer neuen Transportmethode ist. Das von uns vorgeschlagene Bündnis soll unter Beweis stellen, dass Einigkeit stark macht. Außerdem zählen wir noch auf die Unterstützung erfolgreicher Unternehmen, wie ISTOBAL, Altran und Nagares, die der Überzeugung sind, dass dieses wichtige Projekt unsere Beförderungs- bzw. Transportweise ändern wird.

Habt ihr euer Original-Projekt irgendwie ändern müssen?

Ja. Das von Hyperloop UPV entwickelte Konzept ist für 30 Passagiere gedacht, wiegt ca. 19 Tonnen und fährt theoretisch 1000 km/h. Ideal wäre es, über eine maßgeschneiderte Teststrecke zu verfügen, um den Prototyp auszuprobieren, denn dadurch könnten enorme Infrastrukturkosten eingespart werden. Die bisher verfügbare Teststrecke in Kalifornien ist nur 1,5 km lang. Dadurch sind viele Testfaktoren beschränkt, beispielsweise die Geschwindigkeit, die Maße des Fahrzeugs usw. Deshalb musste der Prototyp so effektiv wie möglich an die Gegebenheiten und Bedingungen der Teststrecke angepasst werden.

Was werden wir dann also auf der Teststrecke sehen können?

Derzeit bereiten wir einen pod-Prototyp mit Kapazität für einen kleinen Dummy vor. Wir entwickeln zur Zeit gerade Techniken, die uns eine hochstmögliche Geschwindigkeit bei gleichzeitig nicht außer Betracht zu ziehender Sicherheit ermöglichen. Wir sind dafür gut vorbereitet und arbeiten sowohl hier als auch in Purdue, um es in die Tat umzusetzen.

Wie läuft jetzt eure interne Organisation, nachdem euer Team gewachsen ist?

Zu Anfang waren wir 6 Freunde, jetzt sind wir inzwischen 35, und arbeiten außerdem mit einem amerikanischen Team zusammen, das aus weiteren 15 Personen besteht. In organisatorischer Hinsicht ist das eine echte Herausforderung gewesen. Wir mussten eine neue Team-Struktur festlegen, außerdem mussten wir lernen, Selektionsvorgänge auszuführen. Weiters mussten wir allgemeine Trefftermine ausmachen, Arbeitszeiten mit unterschiedlichen Zeiteinstellungen koordinieren sowie Standards für unterschiedliche Arbeitswerkzeuge festlegen. Das alles war ein hartes Stück Arbeit, aber wir sind bezüglich dieser zweiten Phase durchaus zufrieden und motiviert.

Wird dies die letzte Phase des Wettbewerbs sein oder kommt noch mehr auf euch zu?

Die Entwicklung einer neuen Transportmethode wie Hyperloop braucht Zeit. Die für den Wettbewerb realisierten Prototypen sind dazu gedacht, zu beweisen, dass Hyperloop möglich ist, doch dafür braucht man Zeit. Der von SpaceX organisierte Hyperloop-Wettbewerb ist als jährliches bzw. zweijährliches Event konzipiert, bei dem nach und nach die Techniken zu verbessern sind, um die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Deshalb ist abzusehen, dass in den folgenden Jahren noch mehr Wettbewerbe stattfinden werden. Selbstverständlich werden wir gerne daran teilnehmen, um das Potential der Polytechnischen Universität von Valencia vor- und nachzuweisen. Es liegt noch ein langer Weg vor uns, und wir möchten immer an der Spitze sein.

Ihr nahmt an der POD Competition I vor einigen Monaten Teil. Wie war diese Erfahrung?

Die Erfahrung war beeindruckend. Wir konnten die ersten Prototypen der Hyperloop-Welt sehen. Das Beste war, dass sie für Studenten wie wir konzipiert waren. Dort konnten wir alle Technologien kennen lernen, die aktuell verwendet werden, sowie unsere gemeinsamen Fortschritte besprechen. Vor allem war es eine ausgezeichnete Gelegenheit, um uns bestmöglich auf unsere bevorstehende Herausforderung vorzubereiten, nämlich auf die Umsetzung unseres eigenen Prototyps. Wir wissen, dass für SpaceX der Aspekt der Sicherheit das Wichtigste ist, ebenfalls, alles selber überschauen zu können, so z.B. die Abmessungen der Teststrecke sowie viele andere Details..

Wann glaubt ihr, dass wir ein Hyperloopg reell in irgendeiner Stadt in Betrieb werden sehen können?

In ca. 5 bis 10 Jahren, zum Zweck des Warentransports. Zur Personenbeförderung werden wir möglicherweise etwas länger warten müssen. Regelungen, Bau der Infrastrukturen und Sicherheit sind die engsten Flaschenhälse des Projekts. Sofern wir es schaffen, diese zu überwinden, können wir vielleicht in den kommenden 20 bis 25 Jahren Transportmittel dieser Eigenschaften benutzen und innerhalb einer halben Stunde von Land zu Land wechseln.